Buch, Unternehmen der nächsten Generation

Arbeitskultur Teil 3 – Herausforderungen

12. Dezember erschien im Springer Verlag das Buch “Arbeitskultur 2020”. Hier ein dritter Auszug aus dem Arbeitskultur 2020Buchbeitrag von Michael Bartz und Thomas Schmutzer. Dieser Teil beschäftigt sich speziell mit den Herausforderungen für Unternehmenen auf dem Weg in Richtung “New World of Work”, und zwar in Bezug auf die Menschen im Transformationsprozess:

“Interdisziplinäre Vorgehensweise

Wie kann vermieden werden, dass New World of Work Transformationen sich kontraproduktiv auswirken? Die Antwort liegt in einer interdisziplinären hoch integrierten Vorgehensweise. Das heißt, alle Funktionsbereiche des Unternehmens müssen am Transformationsvorhaben mitwirken und an einem Strang ziehen. Kein Bereich kann die Transformation allein bewirken. Es kann also die Verantwortung zum Beispiel nicht in den Personalbereich delegiert oder die IT-Abteilung allein verantwortlich gemacht werden. Denn New World of Work Transformation zum Unternehmen der nächsten Generation funktioniert nur im Zusammenspiel von Veränderungen in den Dimensionen People, Place und Technologie, und zwar als orchestriertes Transformationsprogramm, dass Veränderungsmaßnahmen in allen drei genannten Veränderungsdimensionen eng verknüpft im Unternehmen vorantreibt. Was hinter den Begriffen People, Place und Technologie inhaltlich sich verbirgt und welche Hebel anzusetzen sind, wird in den folgenden Abschnitten näher ausgeführt.

Veränderungsdimension People

Wenn neue flexible Arbeitsformen Einzug halten sollen, dann betrifft es zu allererst die Menschen im Betrieb, die Systeme, in denen sie arbeiten (z.B. Prozesse und Aufbauorganisation) und die Methoden, die angewendet werden.

Technisch zu bewältigen und daher im Verhältnis einfach zu bewältigen, ist die Schaffung der grundsätzlich erforderlichen rechtlichen Rahmenbedingungen. So gilt es eine Betriebsvereinbarung zu schließen, die die Art und Weise der Nutzung neuer flexibler Arbeitsformen regelt. Hierbei gilt es zwei Grundformen zu unterscheiden: Entweder wird eine Betriebsvereinbarung geschlossen, die z.B. räumlich flexibles Arbeiten tageweise zulässt. Oder die Betriebsvereinbarung wird umgekehrt ausgerichtet: Die MitarbeiterInnen werden aufgefordert, überwiegend mobil zu arbeiten und das Büro nur selektiv zu nutzen. Dies ist eine Frage der grundsätzlichen Unternehmenspolitik, die hinter einem New World of Work Modell stehen soll. Im Zusammenhang mit der Schließung einer Betriebsvereinbarung werden dann aber auch sehr bald die rechtlichen und insbesondere arbeitsrechtlichen Limitationen klar. Das Arbeitsrecht im europäischen Raum hinkt den Anforderungen räumlich und zeitlich flexiblen Arbeitens stark hinterher, und es fällt zunehmend schwer, in den neuen Arbeitswelten Arbeitsrealität und arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen zu vereinbaren. Die Beispiele insbesondere großer Unternehmen, die teilweise bereits über 10 Jahre auf flexible Arbeitsformen setzen, zeigen, dass es möglich ist, hier Brücken zu bauen. Ein Forschungsprojekt des New World of Work Forschungszentrums an der IMC FH Krems mit der österreichischen Arbeiterkammer in Niederösterreich ist hier wegweisend, da es erlaubt, in den nächsten zehn Jahren Erkenntnisse zu generieren, die in die Weiterentwicklung des Arbeitsrechts einfließen und diese wesentlich mit beeinflussen können. Im Rahmen dieses Projektes werden in den kommenden drei bis vier Jahren in der Organisation der Zentrale der Arbeiterkammer Niederösterreich schrittweise Arbeitsweisen flexibilisiert (vor allem räumlich flexibles Arbeiten) und Führungsmethoden daran angepasst, es wird die Nutzung innovativer Innovationstechnologien intensiviert (Unified Communications, Kollaborationsplattformen, Social Media) und eine nach neuesten Erkenntnissen geplante Unternehmenszentrale bezogen. Kernstück dieses umfassenden Transformationsprogramms ist die Messung und genaue Dokumentation der Veränderungen in der Organisation, der Fortschritte und Gewinne durch neue Arbeitsformen und der Grenzen der Machbarkeit und der Lernerfahrungen. Dies wird mit Hilfe eines umfassenden „Impact Measurement“ Forschungsprojektes sichergestellt, dass durch das New World of Work Forschungszentrum der IMC FH Krems über den Zeitraum der Transformation in Kooperation mit der Technischen Universität Wien durchgeführt wird. Mithilfe des Impact Measurement werden die Auswirkungen der New World of Work Transformation auf das Unternehmen und die Menschen im Unternehmen laufend evaluiert und dokumentiert. Der hohe Detailgrad der Messmodelle ist einzigartig und auch die Tatsache, dass hier ein vollständiger Pre-Post-Vergleich sichergestellt wurde, der einen sauberen Vergleich des unveränderten Ursprungszustandes mit Veränderungszuständen in den Folgejahren erlaubt. Aufgrund dieses Forschungsdesigns ist es möglich, sehr tiefe Einblicke in den Veränderungsprozess gewinnen. Aus den Ergebnissen lassen sich in einigen Jahren Richtlinien für die Einführung und Gestaltung neuer Arbeitsweisen in Betrieben sowie Empfehlungen für die Entwicklung arbeitsrechtlicher Rahmenbedingungen ableiten.

Noch herausfordernder als die Schaffung adäquater rechtlicher Rahmenbedingungen sind die Veränderungen, die im Betrieb bewältigt werden müssen in Bezug auf die betroffenen Menschen im Unternehmen. Hier gilt es, auf dem Weg MitarbeiterInnen und Führungskräfte gleichermaßen mitzunehmen und niemanden zurückzulassen. So ist es erfolgskritisch, alle MitarbeiterInnen auf dem Veränderungsweg kommunikativ in den Transformationsprozess einzubinden und die MitarbeiterInnen optimalerweise den Veränderungsprozess auch mitgestalten zu lassen. Ein Beispiel hierfür ist die Gestaltung der Microsoft Zentrale in Österreich. Hier wurden beispielsweise die Vorgaben für den Architekten von den MitarbeiterInnen formuliert, also das Büro nach den Vorgaben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umgebaut, und die MitarbeiterInnen waren verantwortlich, die Spielregeln für die zukünftige Zusammenarbeit gemeinschaftlich zu definieren und im laufenden Veränderungsprozess weiter zu optimieren. Change Management bietet für die kommunikative und partizipative Einbindung der Belegschaft und des Managements abgesicherte Vorgehensweisen und Werkzeuge. Dies ist bekanntes und abgesichertes Terrain. …”

Fortsetzung folgt.  Der Buchbeitrag ist erschienen unter dem Titel “New World of Work Transformation- Herausforderungen auf dem Weg zum Unternehmen der nächsten Generation”. Mehr Informationen zum Buch:

http://www.thinksimple.de/Arbeitskultur-2020-Autoren-Themen.200.0.html

Oder bei Springer direkt:

http://www.springer.com/springer+gabler/management/personal/book/978-3-658-06091-6

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